Johannes Wald: blood circles the body
Oct 14 - Nov 11, 2017
Johannes Wald
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Johannes Wald

In seiner konzeptuell geprägten bildhauerischen Tätigkeit reflektiert Johannes Wald grundsätzliche Fragestellungen des Umgangs mit Skulptur. Hierbei hat sich die Abkehr von den Vorgaben einer Skulpturentradition, die sich vor allem in der Präsenz von Material begründet, und das materielle Vorenthalten abgeschlossener Formen zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Arbeit entwickelt. Die hier ausgestellten Arbeiten umkreisen den Zusammenhang von Material, Körperlichkeit, Bewegung und Raum. 

Die ausgeschnittenen Tintenstrahldrucke „blood circles the body“ zeigen eine antike Figur aus unterschiedlichen Perspektiven. Die acht Abbildungen sind so im Raum verteilt, dass sie dem zur Skulptur eingenommenen Aufnahmewinkel entsprechend positioniert sind. Wie die auf ihnen dargestellte Figur, sind sie nur durch Bewegung im Raum erfahrbar. Um sie in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen müssen sie abgelaufen werden. Auf diese Weise fügen sie den zweidimensionalen Abbildungen die räumliche Qualität der abgebildeten Figur hinzu und werden so selber wieder zu einer Art Skulptur.

„several attempts at forming an adequate gesture of beauty“ besteht aus drei Abgüssen eines menschlichen Armes. Die Güsse entstammen aus ein und derselben Negativform. Sie wurden nach dem Gießen zertrennt und in verschiedenen Posen wieder zusammengeschweißt.

Der Titel der Arbeit hält zwei mögliche Lesarten der Körperfragmente in der Schwebe, denn das „forming“ kann das Formen einer Geste mit den Armen meinen oder sich auf ihre Simulation und den bildhauerischen Formprozess beziehen. Grundlegende Zweifel an der Möglichkeit der bildhauerischen Darstellung von Schönheit, wie sie sich in der Bewegung eines lebendigen Körpers intentionslos ausdrückt, sind der Konzeption der Arbeit von Beginn an eingeschrieben. 

In der Arbeit „stack of walk“ verweisen Fußspuren auf die Abwesenheit eines menschlichen Körpers. Mit einem zu einem Objekt aufgestapelten Gang durch den erstarrenden Gips, manifestiert diese Arbeit ebenfalls die Diskrepanz zwischen leblosem Material und lebendigem Körper.